31.08.04 bis 05.09.04 - 4. Internationaler Spreelauf

Von der Mündung bis zur Quelle - 408 km in 6 Tagesetappen

Zum vierten Mal seit dem Jahre 2000 (letztes Jahr musste wegen des Transeuropalaufes eine Zwangspause eingelegt werden) rief Organisator Ingo Schulze zum Spreelauf. Von der Mündung  in Berlin-Spandau bis zur Quelle bei Eibau in der Oberlausitz sind täglich Strecken zwischen 50 und 80 Kilometern zu bewältigen, bei sechs Etappen ohne Ruhetag addiert sich das zu 408 Kilometern und somit doch zu einer erheblichen Belastung. Mit evtl. auftretenden Überlastungserscheinungen fertig zu werden oder auch ganz auszusteigen, das ist Teil des Spiels.

Auch in diesem Jahr war wieder ein illustres Läuferfeld angetreten, eine bunte Mischung von etablierten Etappenläufern, (Altersklassen)-Weltrekordlern auf diversen Ultradistanzen, erfolgreichen Transeuropaläufern, aber auch Einsteigern in dieser vielleicht schönsten Form des Ultramarathonsports. Beeindruckend, wie viele schon im Mai dieses Jahres bereits den 327 km langen Isarlauf unter die Füsse genommen hatten: Simone Stegmaier, Karl Graf, Felix Kainz, Sebastian Schöberl, Hans Jürgen Schlotter, Klaus Dieter Hartmann und last but not least Hans Drexler. Zwei davon, nämlich Graf und Kainz waren gar erst vor knapp 4 Wochen noch beim Erkrather 6-Tage-Lauf unterwegs, genau wie Heike Pawzik und Conny Bullig. Drei Starter konnten auf bereits drei erfolgreiche Teilnahmen beim Spreelauf zurückblicken: Ronald Nickel, René Strosny und Hans Jürgen Schlotter.

Ingo Schulze zählt seine Schäfchen

Start zum Laufabenteuer

Im Vordergrund stand für alle das Wichtigste, nämlich gesund in Eibau anzukommen. Natürlich hegten einige zusätzlich Ambitionen auf die vorderen Plätze. Allen voran René Strosny, der sich bei jedem der bisherigen Spreeläufe unter den ersten Drei platzieren konnte. Top-Resultate konnte auch Henry Wehder, der Initiator des Spreelaufes vorweisen. Marco Ziechmann, der eher im Triathlon beheimatet ist und im Jahr 2002 als Einzelstarter den Swiss Gigathlon bewältigte, war selbst gespannt, ob er alle Etappen würde bewältigen können. Marco bewirtschaftet seit kurzem das Forsthaus an der Spree (http://forsthaus.de/), das in unmittelbarer Nähe zum Spreelauf liegt. Schnell war die Idee geboren, selbst als Läufer dabei zu sein, und so wurde kurzerhand die Wegführung direkt am Forsthaus vorbei gelegt, natürlich mit Verpflegungsposten am Forsthaus.

Entlang der Spree durch Berlin ...

... vorbei an Reichstag ...

... und dem Brandenburger Tor

Bei den Frauen rechnete man mit einem Sieg von Simone Stegmeier, aber gespannt war man auch auf das Tempo, das Heike Pawzik und Marianne Dahl anschlagen würden, alle drei – wie auch Wolfgang Braun und Paul Engels - wollten den Spreelauf auch zur Vorbereitung auf den Spartathlon nutzen.

Der Start am Dienstag Morgen verlief noch locker, die späte Startzeit um 11 Uhr 30 war der Tatsache zu verdanken, dass die erste Unterkunft erst spät zur Verfügung stand, übernachtet wird in Turnhallen, die, wenn auch der Standard hier und da nicht ganz zeitgemäß war, immer das Wesentliche boten.

Das Ausschlafen am ersten Tag bezahlten allerdings alle mit vorzeitigem Duschen, denn am Nachmittag machten heftige Gewitterschauer mit Hagel den Teilnehmern wie Betreuern zu schaffen. Henry Wehder setzte ein erstes Ausrufezeichen und gewann die Etappe vor Strosny und Ziechmann. Simone Stegmaier machte mit einem Vorsprung von 30 Minuten deutlich, dass der Sieg bei den Damen nur über sie läuft.

Gut gelaunte Läufer am Morgen

Verpflegung aus dem Kofferraum

Wer im Ziel war, dem stand das allabendliche Ritual bevor, Schlafplatz einrichten, Trinken, Wäsche und Wehwehchen versorgen, etwas Regenerieren, und schon gab es Abendessen. Bald danach lagen die ersten im Schlafsack und um 21 Uhr wurde das Licht gelöscht, denn um 4 Uhr wird eine Klanginstallation verschiedener Digitalwecker die Läuferschar aus den Träumen reissen, falls man nicht schon vom knarzenden Hallenboden oder dem Geschnarche des Nachbarn wach war. Gestartet wurde nun in zwei Gruppen, die Schnelleren um 7 Uhr, wer etwas mehr Zeit benötigte, startete eine Stunde früher. Im Klartext heißt das, dass die Teilnehmer auf den hinteren Rängen größten Respekt verdienen, manchmal 12 Stunden und mehr unterwegs mussten sie mit einer entsprechend kurzen Regenerationszeit auskommen, während die „schnellen Hirsche“ (Zitat Ingo Schulze) meist schon nachmittags opulente Eisbecher und ähnliche Kalorienbomben reinstopften.

Am Müggelsee

Marktplatz in Beeskow

Naturschutzgebiet Unterer Spreewald

Ab dem zweiten Tag war das Wetter spätsommerlich schön, die zunehmende Hitze machte allen zu schaffen. Jetzt, da man Berlin hinter sich gelassen hatte, bot der reizvolle Weg überwiegend an der Spree entlang viel Natur, asphaltierte Radwege wechselten sich mit Naturwegen ab. Die erste Aufgabe war zu verzeichnen, Horst Preisler musste einsehen, dass eine nicht ausgeheilte Verletzung ihm leider keine Chance zum Weitermachen ließ. Ähnlich erging es wenige Tage später Conny Bullig, mit gereiztem Ischiasnerv und der Hypothek von Erkrath angereist, war am vierten Tag das Aus nicht mehr zu vermeiden. Andere, wie der gut platzierte Wolfgang Braun, mussten wegen Problemen mit dem Schienbein passen, da half alles Kühlen, Salben, Bandagieren und was die Läuferapotheke noch so her gab, nichts.

Wolfgang Braun musste veletzt aufgeben

Heike Pawzik und Marianne Dahl (rechts) unzertrennlich; mit Reinhardt Schulz und Conny Bullig

Hatte man abends durchaus den Eindruck, sich in einem Feldlazarett zu befinden, so konnten doch am nächsten Morgen die Allermeisten die nächste Etappe unter die Füße nehmen, gestärkt durch die durchwegs gute bis sehr gute Verpflegung. Ein Übriges tat sicherlich die hervorragende Stimmung unter den Teilnehmern, den Betreuern und der Orga, hier kann man nur Bestnoten verteilen. Auch wenn am vorletzten Tag es schon mal kleinere Probleme mit der Streckenmarkierung gab, die Läufer nahmen es gelassen und allfällige Zeiteinbußen hatten keine Auswirkung auf das Gesamtklassement.

Baldur Buchwald

Idyllische Spree

Start frei zu letzten Etappe

Ab dem dritten Tag hatte René Strosny den Tagessieg abonniert, Tag für Tag baute er seinen Vorsprung aus, so dass schon beim Zieleinlauf in Renés Heimatstadt Bautzen am vorletzten Tag klar war, wer den Gesamtsieg holen würde, Verwandte und Freunde konnten auf dem malerischen Marktplatz schon mal im Voraus ihren René feiern. Ganz klar, dass er sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließ, so konnten tags darauf die Eibauer, die eigens für den Spreelauf ihr Spreequellfest weiterleben ließen, René Strosny bei seinem ersten Gesamtsieg bejubeln, seine Gesamtzeit betrug 32:30:57 und zu Recht strahlte er über beide Ohren. Auf den Rängen folgten Marco Ziechmann (34:42:35) und Henry Wehder (35:53:30).

Marco Ziechmann, Rene Strosny, Henry Wehder

Ehrung der unersetzlichen Helfer

Simone Stegmeier, Marianne Dahl, Heike Pawzik

Bei den Frauen wurde Simone Stegmaier überlegen Gesamtsiegerin in 42:45:25, die Plätze zwei und drei teilten sich Heike Pawzik und Marianne Dahl, die auf den Etappen sechs Tage lang keinen Zentimeter voneinander gewichen waren, ihre Laufzeit betrug 50:54:39.

Bei der Siegerehrung wurde die Leistung jedes einzelnen gewürdigt, das hat bei einem solchen Unternehmen ein jeder ausnahmslos verdient, Sieger, Finisher und auch die, die leider aufgeben mussten, Theo Cloostermann gar erst ca. 30 km vor dem Ziel. So kullerten hier und dort auch ein paar verstohlene Tränchen, aber 2006 gibt es ja eine neue Chance. Nächstes Jahr wird wegen des Deutschlandlaufes der Spreelauf nicht als Wettkampf stattfinden, Henry Wehder plant jedoch, die Strecke als Erlebnislauf zu veranstalten, Interessenten können sich mit ihm unter wehder@frisurf.no in Verbindung setzen.