22.10.05 - 15. Schwäbische Alb Marathon

Im Jahr Eins nach der Ära Wieser

Zehn Jahre lang dominierte der gebürtige Aalener Jürgen Wieser den Alb Marathon fast nach Belieben. Seit 1995 ging er praktisch immer als Sieger von der Strecke, wobei er oftmals seine Konkurrenten geradezu deklassierte. Spannende Duelle lieferte er sich mit dem diesjährigen Berglauf-Weltmeister auf der Langstrecke Helmut Schiessl, der 2001 Wieser ein einziges Mal bezwingen konnte. Sage und schreibe acht Siege stehen für Wieser zu Buche, der Streckenrekord von 3:12:47 und die drei besten jemals auf der 50 km Strecke (bis und mit 1997 wurden 44 km gelaufen) erzielten Zeiten unterstreichen seine eindrucksvolle Bilanz. Nachdem also Wieser seine Ankündigung wahr machte, seine leistungssportliche Karriere zu beenden und beim Alb Marathon nicht mehr zu starten, durfte man gespannt sein, ob jemand in der Lage war, in seine großen Fußstapfen zu treten.

In der Breite jedenfalls konnte die größte Ultramarathonveranstaltung Süddeutschlands weiter zulegen. So war der Marktplatz von Schwäbisch Gmünd, der sich als Startbereich bewährt und etabliert hat, zum Start um 10 Uhr gut gefüllt. 50 Kilometer sind auf der „Kaiser“strecke – gelaufen wird schließlich über die Kaiserberge Hohenstaufen, Hohenrechberg und Stuifen – zu bewältigen. Auch wenn sich die absoluten Gipfelhöhen, um die 700 m, bescheiden ausnehmen, sollte man nicht den Fehler begehen, sie zu unterschätzen. Die Anstiege sind teilweise recht happig und insgesamt kommen ca. 1100 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zusammen. Also nichts für Fun-Läufer, sondern eher was für erfahrene Langstreckler, die sich gediegen vorbereiten. Darüber hinaus ging es ja auch um Meisterehren. Zum dritten Mal nach 1998 (DM 50 km Straße) und 2001 war der Alb Marathon Schauplatz der Deutschen Meisterschaften der DUV (Deutsche Ultramarathon Vereinigung) im Cross- und Landschaftslauf auf einer Ultramarathondistanz. Entsprechend konnte eine neue Rekordteilnahme von fast 750 Läufern vermeldet werden.

Den Hohenstaufen im Blick Abstieg vom Hohenstaufen mit Blick auf Rechberg und Stuifen Auf dem Feldweg vor dem Rechberg

Wem das Ganze doch zu lang erschien, hatte mit dem Gmünder Rechberglauf eine Alternative. Auf der selben Strecke ist nach rund 25 km auf dem Hohenrechberg Schluss, mit 780 Höhenmetern ist die Sache aber immer noch anspruchsvoll. Seit 1991 wurde immer wieder am Angebot gefeilt und so komplettieren mittlerweile eine 10er-Staffette sowie 30km-Walking die Traditionsveranstaltung. 1300 Teilnehmer insgesamt konnten verzeichnet werden.

Die Schönheit der Strecke ist legendär. Die Schwierigkeiten, wenn der Wettergott zuschlägt, auch, so wie im Jahre 2002, als Regen und Graupel glitschige und matschige Passagen zur besonderen Herausforderung werden ließen. Noch vor dem Start zog sich der Himmel zu und leichter Nieselregen ließ gewisse Befürchtungen aufkommen, die sich aber glücklicherweise zerstreuten. Die Sonne zeigte sich immer wieder und die herbstliche gefärbte Alb mit ihren grandiosen Ausblicken präsentierte sich von ihrer attraktivsten Seite. Waren die Temperaturen schon am Start überaus mild, so konnten im weiteren Verlauf spätsommerliche 20 Grad an den Steigungen schon mal zu schaffen machen.

Blick hinauf zum Rechberg mit der Schlossbergkuppe und dem Stammschloss der Herren von Rechberg Und da ist er, der letzte der drei Kaiserberge, der Stuifen Nach dem Stuifen geht´s noch um die Reiterleskapelle

Etwas überraschend gewann mit Michael Sailer vom TSV Neuburg ein Neuling in der Ultramarathonszene. Musste er beim Rennsteiglauf noch Lehrgeld zahlen, als er nach flottem Beginn hinter dem Grenzadler noch etliche Plätze abgab, so drehte er diesmal den Spieß um. Mit dieser Erfahrung und einer Marathonzeit von 2h28 im Gepäck, gestaltete er sein Rennen gleichmäßig und ließ die Konkurrenten erst mal ziehen, um dann einen nach dem anderen wieder einzusammeln. Sailer sicherte sich so den Titel des Deutschen Meisters im Cross- und Landschaftslauf in der Zeit von 3:28:18, somit allerdings die schwächste Siegerzeit in der bisherigen Geschichte des Alb Marathons.

Nach knapp 50 km auf der Zielgeraden (Fotos v.l.): Rainer Fritsch und Anil Cyprien, Bertram Wagenblatt und Ralf Steisslinger

Auch Helmut Dehaut beklagte das Fehlen hochkarätiger Konkurrenten. „Ich wäre heute auch gerne Fünfter oder Sechster geworden, wenn ein Wieser, Miksch oder Schiessl angetreten wären.“ So freute er sich nicht nur über seinen zweiten Platz, sondern strahlte auch eine tiefe Zufriedenheit aus über seine gelungene Renneinteilung. Am Hohenrechberg bei Kilometer 25 lag der M40er vom VT Zweibrücken nach eigenem Bekunden noch auf Platz 6 oder 7 und hatte das Gefühl, unter seinen Möglichkeiten geblieben zu sein. Aber gerade diese Zurückhaltung versetzte ihn in die Lage, in der zweiten Rennhälfte gehörig Druck zu machen und in prächtiger Verfassung wie im Vorjahr als Zweiter in 3:35:51 ins Ziel einzulaufen.

Bereute die Anreise sicher nicht - Paul Detlev aus Berlin Guggemusik sorgte für Stimmung im Ziel Auch Karl Graf fand Gefallen am ungewohnten Terrain

Seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen musste dagegen Hauke Dutschak (VFL Winterbach). Anfangs in Führung gelegen, konnte er sich doch noch in 3:37:50 als Drittplatzierter ins Ziel retten. Der als Mitfavorit gehandelte und zur Halbzeit führende Jochen Kümpel wurde dagegen Opfer seiner muskulären Probleme und letztendlich unter Wert geschlagen.

Die Siegerinnen v.l.:
1. Heike Grob, 2. Anja Samse, 3. Ute Huber
Die Sieger v.l.:
2. Helmut Dehaut, 1. Michael Sailer, 3. Hauke Dutschak

Bei den Damen war leider keine echte Spitzenläuferin am Start. Jutta Kolenc und die amtierende Deutsche Meisterin im 100 km-Lauf Carmen Hildebrand, die in den letzten Jahren immer am Start war, setzten andere Prioritäten. Eine Isabella Bernhard, die den exzellenten Streckenrekord von 3:48:14 hält, wird schmerzlich vermisst. So reichten Heike Grob (Skiclub Flieden) bescheidene 4:27:37 zum Sieg und Titel der Deutschen Meisterin, eine Zeit, die in der Vergangenheit nicht mal zu einem Treppchenplatz gereicht hätte.

Zweite wurde Anja Samse vom Marathon Club Menden in 4:38:08 vor Ute Huber aus Mössingen in 4:42:31. Ein Resultat, das doch einige Fragen bezüglich der Attraktivität dieser Deutschen Meisterschaft aufwirft. Dennoch, in der Breite stimmt es, wie die Teilnehmerzahlen belegen. Die wunderschöne Strecke und gute, eingespielte Organisation sorgen für viele Stammgäste bei dieser ausgesprochen familiären Veranstaltung und es werden immer mehr. Es bleibt zu hoffen, dass Rennleiter Erich Wenzel und sein Team auch Mittel und Wege finden, in Zukunft quasi als Sahnehäubchen wieder vermehrt Spitzenathleten auf die Alb zu locken.

Bericht Michael Krüger
Fotos: Michael Krüger, LR-Archiv, Ralf Klink

Ergebnisse unter http://www.albmarathon.de/

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