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    Schluchseelauf
2. 5. 2004
  © Michael Krüger
Letzte Änderung: 16.10.2005
         
Links   www.schluchseelauf.com    
         
Marzipan-
hörnchen
  Früh hieß es "raus aus den Federn" am Sonntag morgen. Die Fahrt mit dem Zug hoch zum Schluchsee ist zwar schön und bequem, aber bei dem zu erwartenden Andrang am Schluchsee ist mir die Ankunft 45 min vor dem Start definitiv zu knapp. Also nehme ich einen Zug früher, der leider 30 min Aufenthalt in Freiburg hat. So spare ich mir halt das Frühstück zu Hause und nutze die Zeit in Freiburg für einen Milchkaffee und ein Marzipanhörnchen. Dazu Bennie Lindbergs "Bis zum Äußersten" als Morgenlektüre. Aha, Bennie schwört auf Magnetfeld-Regeneration.  
Distanz 18,4 km
Aufstieg ca. 100 m
Abstieg dto.
Zeitlimit 2 h 15
Läufer 3050


ca. 12°C

 

       
Die
Kristallkugel
spricht...
  Für mich ist heute der letzte Test vor dem Rennsteig, noch mal etwas Tempo abrufen. Das hatte sich letztes Jahr so bewährt. Damit ich aber nicht übermütig werde, habe ich wie letztes Jahr zwei Tage zuvor eine schöne lange Einheit hingelegt, 41km mit 900 Höhenmetern, das sollte mich etwas bremsen. Allerdings erwartete ich doch eine neue persönliche Bestzeit, denn im Vorfeld war ich auf 10 km dieses Jahr schneller. 1:16:13 sagte meine Kristallkugel voraus, aber in einem Anfall von Übermut redete ich mir ein, dass ich bestimmt noch leistungsmäßig zugelegt habe und bastle eine Marschtabelle mit 1:15:00 als Zielzeit. Die flachen Stücke muss ich da im 4:06er Schnitt laufen. Oh oh, wie war das mit dem Übermut?  
         
Am Boden   In Schluchsee treffe ich bald Ute und Rüdiger, und kurz glaubte ich Birgit Lennartz gesehen zu haben. Kann nicht sein, auf so ner kurzen Strecke? Also gleich zum Wettkampf: flugs über die Absperrung geklettert und ein Plätzchen gesucht. Ich schaue noch nach Rüdiger, der im Getümmel verloren ging, aber ich sehe ihn nicht. Noch zwei Minuten und ich schaue auf meine Schuhe. Schock, noch nicht Wettkampf-like gebunden. Rasch ein Doppelknoten drauf gebunden und schon wird die Meute unruhig. Der Startschuss knallt, los geht es. Gleich kriege ich ein Schubser von hinten verpasst, bin dabei meine Uhr zu starten und zack, liege ich auf dem Boden noch vor der Startmatte. Ein Adrenalinstoss der besonderen Sorte durchzuckt mich, was, wenn nun drängelnd alle über mich drüberfallen? Als nächstes durchzuckt mich der Gedanke "da liegst du nun als Depp des Schluchseelaufes." Wieviel Adrenalin kann man eigentlich aushalten? Neben mir läuft einer vorbei und murmelt "Das gibt's doch nicht." Hey, don't kick a man when he's lyin' down! Aber wer den Schaden hat...  
Start
         
Aufgerafft   Ich rapple mich hoch und nehme das Tempo auf. Die Knie schmerzen und ich bin versucht nachzuschauen, ob das Blut schon die Schienbeine hinab läuft, aber ich kann nix sehen. An der rechten Hand habe ich zwei kleine Kratzer. Ich versuche das Malheur aus dem Kopf zu kriegen und mich jetzt aufs Laufen zu konzentrieren. Nach wenigen 100 Metern läuft tatsächlich Birgit Lennartz zu mir auf. Sie scheint ein ähnliches Anfangstempo anzuschlagen und so beschliesse ich, vorerst bei ihr zu bleiben. Der erste Kilometer in 4:05 ist fast etwas schnell, da ja etwas Steigung drin ist.  
         
Vernunft !   Nach dem Intermezzo auf der Bundesstraße und Überquerung der Staumauer geht es nun an die andere Uferseite. Alle Kilometer unter 4:00, hm, es geht teils abwärts. Egal, warum nicht etwas riskieren. Die erste Getränkestelle wird passiert, Birgit nimmt nix, ich auch nix. Jetzt kommt der langgezogene Aufstieg. Kilometer 5 passiere ich in 19:49. Oh, geplant waren 21:00. Die HF-Anzeige flüstert mir nun zu: nimm endlich Vernunft an. Also nehme ich das Tempo etwas zurück und lasse Birgit laufen. Prompt überholen mich nun immer wieder Läufer und ich denke bei mir, letztes Jahr bist Du das cleverer angegangen.    
         
Kohlhütte -
höchster
punkt
  Ich bin froh, als ich die Kohlhütte erreiche, höchster Punkt im Lauf. Jetzt geht es wieder hinunter zum See, hier wird tüchtig Tempo gemacht, ich jedoch muss mich erst mal erholen und bezahle für mein anfängliches Ungestüm. Fast wieder auf Seehöhe ist Halbzeit und Rüdiger überholt mich jetzt. Schnell hat er einige Meter Vorsprung, doch mittlerweile habe ich mich erholt und versuche wieder die 4:06/km zu laufen, so bleiben die 50m Abstand zu Rüdiger konstant, auch als meine km-Zeiten auf 4:10 und darüber anwachsen, ihm scheint es heute nicht besser zu ergehen.  
Videosequenz
8 sec - 438 KB
       
Im Ziel   Trotz der nicht gerade optimalen Einteilung bin ich bei km 16 immer noch 20 sec schneller als vorgesehen. Die kurzen, steilen Rampen kurz vor Schluss sind saumäßig. Die letzte über die Bahnstrecke schafft mich echt, den Hügel hinunter gebe ich nun einige Plätze ab. Im Zieleinlauf, der wieder bergauf geht, nehme ich nochmal alle Kraft zusammen, wer lässt sich da noch gern überholen. Im Ziel sind das dann 1:16:32, die Kristallkugel war ziemlich gut. Besser jedenfalls als meine Marschtabelle, die nämlich auf 18 km ausgerichtet war *hüstel* der Lauf hat 18,4 km!  
         
    So chaotisch der Lauf begann, so chaotisch ging er also auch zu Ende, aber dennoch war ich rundum zufrieden. Die 9,2 km-Splits (38:14 / 38:18) sehen zwar gut aus, aber die Hauptanstiege sind in der ersten Hälfte zu bewältigen, also Verbesserungspotential für das nächste Mal ist vorhanden. Meine Waden fühlen sich an wie Beton, solche Speedsachen sind halt nix für mich. Ein Königreich für eine Magnetfeldmatte!    
         
    Birgit Lennartz wurde übrigens Vierte und unser südbadisches Läuferidol Charly "Mr. Schluchseelauf" Doll wurde mit seinen (ich glaube) 51 Jahren Fünfter! Das hat es auch nicht alle Tage, mit zwei leibhaftigen Comrades-Siegern um die Wette zu rennen...