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    6h-Lauf Waldhessen
Rotenburg a.d. Fulda, 30. 3. 2003
  © Michael Krüger
Letzte Änderung: 1.4.2003
         
Magische Zahlenspiele   Am 30.3.03 bei 3. 6h-Lauf Waldhessen mit der Startnummer 66... Sollte es daran gelegen haben, dass aus dem angestrebten 5er Schnitt nur 5:05 min/km wurde? Sicher nicht, aber anscheinend brachten mir diese Zahlen doch etwas Glück. Aber der Reihe nach...  
Rundkurs 1145 m
  flach
LäuferInnen 37
         
Gabis
Mit-Leidner
Runners
  Alles begann mit Gabis Idee, ihren Geburtstag laufenderweise auf einem 1145m langen Rundkurs zu verbringen (gäbe es eine bessere Idee eine Geburtstag zu verbringen? ) und dazu eine nette Truppe zusammen zu trommeln. Nebst der Hauptperson an diesem Tage versammeln sich Ute, Sabine, Petra (die hoffentlich bald wieder mitlaufen kann und das Zählerteam verstärkte), Stephan, Eric, the-one-and-only Steppenhahn und schließlich ich selbst, um unter dem beziehungsreichen Namen Gabis Mit-Leidner Runners das Wiegenfeste Läufer-gebührend zu feiern, im extra designten Teamdress.  
bis 18°C
         
Fress-
gasse
  Doch vor dem Start heißt es erstmal Verpflegungstische aufbauen, denn beim Waldhessenlauf verpflegen sich alle Läufer selbst. Gigantisch, was Gabi so alles mitgebracht hat, damit ihr Team nicht verhungert. Neugierig werden gegenseitig die Verpflegungsstände gemustert und ob der Vielfalt kennt die allgemeine Heiterkeit keine Grenzen. Anerkennung findet insbesondere unser Vorrat an Weizenbier. Noch ist der Himmel diesig-grau, als wir uns am Start versammeln, um uns mit den Zählern bekannt zu machen.  
Kaltes Buffet
         
Start
frei
  Bevor der Chef Harald Heyde das Startsignal gibt, erläutert er uns kurz die Runde im kleinen aber feinen Rotenburger Schlosspark - der Waldhessenlauf findet erstmals auf diesem neuen Kurs statt. Kurz nach 10 Uhr setzen sich also rund drei Dutzend Laufbegeisterte in Bewegung, um die neue Strecke zu erkunden. Top-Läufer wie Wolfgang Schwerk oder Robert Wimmer, die letztes Jahr mit von der Partie waren, sind dieses Jahr nicht dabei. So finde ich mich, als der kleine Jan Kemper - er eilte vom Start weg sogleich an die Spitze - in seinem jugendlichen Tatendrang von seinem Vater gebremst wurde, in der für mich ungewohnten Führungsposition wieder. Ich lasse mich davon erstmal nicht beeindrucken und laufe stur mein geplantes Tempo.  
Harald Heyde
         
Das Feld
rollt
  Auf der Runde fühle ich mich alsbald pudelwohl. Der Hochnebel verzieht sich, an diesem strahlenden Frühlingstag ist es die reinste Freude, hier in dem idyllischen Park zu laufen. Wie bei solchen Läufen üblich, mischt sich alsbald die Läufergemeinde, Positionen sind nicht mehr auszumachen, man läuft ein Stück zusammen, schwätzt und scherzt, überholt oder wird überholt und hat einfach Spaß zusammen. Für die ersten drei bis vier Stunden habe ich mir Getränke in 0,5l Pet-Flaschen vorbereitet, nach Bedarf schnappe ich mir eine und nehme sie mit auf die Runde, so habe ich genug Zeit um ohne Hast zu trinken und muss meinen Laufrhythmus nicht unterbrechen.  


Wolfgang
hinter mir
in Lauerstellung


Ute und Sabine


Wolfgang Uttendorfer


52,641 km für das
Geburtstagskind

       
Einkehr
beim
Griechen?
  Jede Runde passieren wir auch ein griechisches Restaurant und zur Mittagszeit zieht dort ein nicht untypischer Geruch herüber, diverse Versuche, meine Mitläufer zur Einkehr bei Fleischspieß und Pommes Frites zu bewegen, bleiben allerdings erfolglos, also verweile ich auch weiter auf der Strecke. Runde um Runde spulen wir ab, die Zähler behalten den Überblick, alles arbeitet perfekt. In der 37. Runde bekomme ich ein kleines Fähnchen mit der Aufschrift Marathon überreicht und als ich die auf dem Rundkurs markierte Stelle passiere, liege ich mit 3h29 voll im Plan. Während Josef Schinabeck, der zwischenzeitlich die Führung übernommen hatte, das Tempo drosseln musste, hält sich Wolfgang Uttendorfer immer wenige Meter hinter mir.  
       
4 h vorbei -
der Lauf beginnt
  Mehr und mehr Spaziergänger finden sich nun im Park ein und manchmal ist etwas Slalomtechnik hilfreich. Nach vier Laufstunden und fast 50 Kilometern wird es für mich ernst. Tiefere Atemzüge zeigen mir an, dass der Motor komplett auf Fettstoffwechsel umschaltet. Die spannende Frage, ob ich nun das angeschlagene Tempo halten kann, ist schnell beantwortet, die Rundenzeiten werden länger, aber das geht wohl nicht nur mir so. Ute, die ihr Pensum - letzter langer Trainingslauf vor ihrem Marathon - bereits erfüllt hat, reicht mir Getränke und Schwamm (Vielen Dank!), denn mittlerweile ist es recht warm geworden und die harte Phase meines Laufes bricht an. Die Zeit zu scherzen ist vorüber und ich passiere meine Teamkollegen null-silbig.  
       
Wolfgang
fliegt
vorbei
  Nach 5 Stunden und 15 Minuten zieht Wolfgang an mir vorbei, kein Wunder, mein Tempo sinkt nun unter 5:15 min/km, gut sieht er noch aus und ich habe keinen Zweifel, dass damit der Sieger des heutigen Tages fest steht. Da die angepeilten 72 km für mich nicht mehr erreichbar sind, will ich wenigstens neue persönliche Bestleistung erzielen, so kann ich mich einigermaßen motivieren, nicht zu sehr nachzulassen. Nur noch vier Runden, nur noch drei... sage ich zu mir und schleppe mich mühevoll über die Strecke. Die letzte Runde bricht für mich an und ich nehme das Fähnchen mit meiner Startnummer mehr teilnahmslos als freudig entgegen.  
       
Überraschendes
Finish
  Als ich das letzte Mal auf die Passage entlang der Fulda einbiege, traue ich meinen Augen kaum. Wolfgang, der wie der sichere Sieger aussah, sitzt kreidebleich neben seinem Fähnchen, sein Kreislauf hat ihm kurz vor Ende des Laufs einen Strich durch die Rechnung gemacht. Selbst zu erschöpft, laufe ich wortlos an ihm vorbei, 300 Meter weiter und das Hupsignal zeigt das Ende des Laufes an. Ich lasse mich einfach ins Gras fallen, schnaufe tief durch bis ich in der Lage bin, ein "Schön war's" zu verkünden und suche nun die Gesellschaft eines Malzbieres. Das dramatische Finish ist jetzt Gesprächsthema bei den Mit-Leidners und ich freunde mich mit einem zweiten Malzbier an, was langsam aber sicher meine Lebensgeister wieder weckt.  
       
Waldhessenlauf-
eine Reise wert
  Für das weitere Programm steht die direkt an der Strecke gelegene Jugendherberge zur Verfügung. Heiße Duschen, Abendessen, Siegerehrung, der Waldhessenlauf ist eine rundum gelungene Veranstaltung, so dass sicherlich bald mehr Laufbegeisterte den Weg nach Rotenburg finden werden. Auch wenn ich mein selbst gesetztes Ziel nicht erreichen konnte, mit der neuen persönlichen Bestleistung von 70,793 km bin ich voll zufrieden und einen 1. Gesamtplatz gibt es dafür nicht alle Tage.  
         
    Gabis Mit-Leidner Runners legten übrigens gemeinsam an diesem Tag 370 Kilometer und 470 Meter zurück. Das waren mehr als 323 Runden. Ganz ohne Drehwurm .