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    50 km-Ultramarathon Rodgau
25. 1. 2003
  © Michael Krüger
Letzte Änderung: 28.1.2003
         
Legende
zu
Lebzeiten
  Eisiger Wind, Schneefall, Graupelschauer, das ist der Stoff aus denen (Ultra-)Legenden entstehen. Danach gemessen sind die 50 km von Rodgau heute schon Legende, denn kein Bericht darf versäumen auf die harten Bedingungen der vergangenen Jahre hinzuweisen, die mittlerweile schon als Gewohnheitsrecht eingeklagt werden. Natürlich mit einem zwinkernden Auge, denn die idealen Bedingungen der vierten Auflage haben diesmal sicher alle genossen, leichter Frost zu Beginn, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, es was ein idealer Tag, um 10 mal auf einer 5 km-Runde im Kreise zu rennen.  

 

Distanz 50 km
Aufstieg flach
Abstieg  
Zeitlimit 6 h
Läufer ca. 280


-2° bis +4°C


Zielkanal


Rene Wallesch


Gabi bei ihrem
Ultra-Debut
mit Reinhard


Jürgen Rodeland


Roland Blumensaat


Kurz vor dem Ziel

       
Dudenhofen
brummt
  Doch zuvor trifft man sich in der Turnhalle des TSV Dudenhofen, es wimmelt von Szenepromis, Wiederholungstätern, bekannten Gesichtern, neue Kontakte wollen geknüpft werden, entsprechend angeregt ist die Stimmung, flink muss ich meine letzten Vorbereitungen treffen (wie durch ein Wunder vergesse ich diesen Morgen nichts), denn die Zeit vergeht wie im Flug und der Start erfolgt jenseits der B45, da sind auch noch ein paar Meter zurückzulegen.  
       
Start frei   Pünktlich um 10 Uhr werden ca. 280 Läuferinnen und Läufer auf die Strecke geschickt. Für mich ist es der erste Start in Rodgau, also werde ich erstmal die 5 km-Runde kennen lernen. Die stellt sich dann als so kurzweilig heraus, dass ich mich später wundern werde, wie schnell schon wieder 5 km geschafft sind. Abwechselnd durch Wald und über Wiesen, mal asphaltiert, dann über gute Waldwege, erreicht man unvermittelt eine kurze Begegnungspassage, danach die Verpflegungsstelle und schließlich durchläuft dann den Ziel"kanal", bestehend aus einem Tor, das an den Security-Check eines Provinzflughafens erinnert. Kehrt marsch, auf eine Neues!  
       
Wohlfühl-
tempo
  Natürlich ist jeder Kilometer markiert, ich schlage wie vorgesehen ein Tempo knapp über dem 5er Schnitt an. Jeder Kilometer ist markiert, aber dieses Wohlfühltempo würde ich selbst im Schlaf noch finden. Zeit also, um den Reiz dieses Wintermorgens zu genießen. Am Ende der ersten Runde werfe ich im Vorbeilaufen schon mal einen Blick auf die Verpflegungsstelle, was wo zu finden ist, so muss ich bei Kilometer 10 nicht lange fackeln und kann mich gezielt bedienen.  
       
Marathon-
sammler
unterwegs
  Mit meiner Reisegeschwindigkeit ist auch Rene Wallesch unterwegs, mit dem ich folglich die nächsten 20 km absolviere. Sammeln manche Leute Briefmarken, dann haben es Rene Marathons und Ultras angetan, weit über 300 Läufe über die Marathondistanz oder darüber hinaus hat er mit seinen jungen Jahren schon in den Beinen. Runde um Runde spulen wir so ab, wie ein Uhrwerk, unterbrochen nur durch das kalte Buffet, und beim Quatschen vergeht die Zeit im Flug. Allerlei Knabbereien werden angeboten, doch diese Riegel mit Kokosflocken und Schokoladenüberzug finde ich so bestechend, dass ich immer wieder zugreife, insbesondere in Kombination mit dem heißen Tee.  
       
Halbzeit   Nach 2:07:26 ist Halbzeit für mich, damit liege ich bei einer geplanten Endzeit von 4h20 ziemlich richtig. So kann ich es mir locker leisten, einen Teil der folgenden Runde in etwas geruhsameren Tempo mit Gabi zu laufen, die sich heute den Titel der Ultrawerwölfin verdienen wird. Nach einem ausführlichen Schwätzchen verabschiede ich mich nach Art des Hauses mit einer flappsigen Bemerkung ("will ja nicht ganz auskühlen ") und entgehe vermutlich dem Tod durch Erwürgen nur durch eine kurze Tempoverschärfung .  
       
Wolke 7   Ich nehme mein altes Tempo wieder auf, das sich nach der kleinen Verschnaufpause geradezu mühelos anfühlt. An diesem Tag scheint alles zu passen, und ich beginne auf Wolke Sieben zu schweben. Vergessen sind die kleinen Wehwechen, die mich anfangs der Woche noch an einer Teilnahme zweifeln ließen, heute ist nichts davon zu spüren und ich muss mich jetzt bewußt bremsen, dass ich in meiner totalen Euphorie nicht überziehe. Jürgen Rodeland ist das erste Opfer, das ich beim Passieren mit Bemerkungen über meinen Rauschzustand vollschwalle, was mir dann er und alle weiteren mit unverblümter Heiterkeit heimzahlen .  
       
Jenseits
des
Marathon
  Die Sonne hat mittlerweile die freien Wegpassagen leicht aufgeweicht, was der guten "Belaufbarkeit" aber keinen Abbruch tut. Die Reißverschlüsse an der Laufkleidung erweisen sich jetzt als hilfreich, ist es im Wald immer noch frostig, kann ich mir außerhalb Erleichterung verschaffen. Die 2,195 km Marke nach dem Start erlaubt es, in der 9. Runde die Marathondurchgangszeit exakt zu messen. Einfach den roten Knopf drücken und was sagt die Uhr? Ich kann es kaum fassen, vor wenigen Monaten noch schleppte ich mich beim Karlsruhe-Marathon nur 10 Minuten schneller mühevoll über die Ziellinie. Heute ist es dagegen Genuss pur! Obwohl ich jetzt mit geräuschvollem Schnaufen unterwegs bin, was mir anzeigt, dass auch die letzten Glykogenvorräte erschöpft sind, kann ich auf der letzten Runde gar noch etwas Tempo zulegen.  
       
Zufriedene
Finisher
  So erreiche ich nach 4:14:49 hochzufrieden das Ziel. Eine perfekt organisierte Veranstaltung, ein perfekter Tag, Momente, an die man sich auch nach Jahren noch gern erinnern wird. Im Zielbereich werden wir nochmals verköstigt. Nach einer Ruhepause und kurzem Kleiderwechsel in der Turnhalle kehre ich zur Strecke zurück, hatte ich doch versprochen, Gabi auf den letzten Kilometern ihres ersten Ultramarathonlaufes zu begleiten. So komme ich zu einer extra Zugabe, mit Reinhard, der Gabi schon länger begleitet, zusammen bestreiten wir witzelnd die allerletzte Runde. Herzlichen Glückwunsch an Gabi!  
       
    Zum Schluß ein Tipp an alle, die während der Drangperiode der Finisher-Häufung über kalte Duschen klagen: zumindest in Rodgau, waren sie, wenn man bis fast zum Zielschluss auf der Strecke blieb, wieder schön heiß. Selbst Kuchen meiner Geschmacksrichtung war noch aufzutreiben. Was die Getränkehersteller allerdings als Apfelschorle in Flaschen füllen, kann auch beim besten Willen nur Abscheu erregen. Glücklicherweise lässt sich das posthum mit einem Weizenbier korrigieren...