12.03.05 - 9. SCMT 6 Stunden-Lauf Nürnberg

Donner, Doria und keine Spur von Frühlingsgefühlen...

Wer die Nacht vor dem 6 Stunden-Lauf in der Nähe der Wöhrder Wiese verbrachte, wurde durch einen gewaltigen Donnerschlag aus dem Tiefschlaf gerissen. Graupel trommelte an die Fensterscheiben, und zu dem wohligen Gefühl, jetzt nicht auf der Strecke zu sein, mischten sich leise Zweifel, was uns morgen auf dem Rundkurs erwarten würde. 1523 Meter misst die Runde um die Wöhrder Wiese und ist ein beliebtes Laufrevier in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, DLV-vermessen, was die örtliche Laufszene nutzt, um dort regelmäßig Trainingsmarathons zu veranstalten. Man teilt sich zwar den Platz mit Spaziergängern und Radlern auf dem Weg zu Innenstadt, aber dies geht ohne größere Probleme vonstatten.

Morgens um 7 ist die Welt schon nicht mehr in Ordnung Ein ganzes Heer von Rundenzählern sorgt für reibungslose Erfassung

Der morgendliche Blick aus dem Fenster ließ allerdings sowieso keine Konflikte um begrenzten Platz erwarten. Treibt sonst um diese Jahreszeit spätestens am frühen Nachmittag die wärmende Frühlingssonne zahlreiche Spaziergänger in den Park, kündete dichter Schneefall an, dass wir Läufer quasi heute Heimrecht haben werden.

Der Winter hatte die Veranstaltung also voll im Griff. Das bekamen vor allem diejenigen zu spüren, die am Morgen anreisten, was natürlich insbesondere auf die zahlreichen Helfer zutraf. Zum offiziellen Start um 10 Uhr war daher die Zeitmessung noch nicht parat, die Zähler (die Runden jedes einzelnen Teilnehmers werden durch seinen persönlichen Zähler erfasst) waren noch nicht vollständig anwesend, und so ergab sich erst mal eine deutliche Verzögerung, bevor sich gut 100 Läufer in Bewegung setzen konnten. An die 160 waren vorgemeldet, doch wer von den Fehlenden nicht durch die immer noch grassierende Grippe am Laufen gehindert wurde, den bremsten chaotische Straßenverhältnisse aus, eine erhebliche Anzahl Teilnehmer erschienen mit teils kräftiger Verspätung am Start.

Markenzeichen der SCMT-Läufe und gleichzeitig Farbklecks im deutschen Einheitsgrau Ein Blick über die Wöhrder Wiese Nach dem ausgerichteten 50er wieder Zeit für eigene Untaten: Reinhardt Schulz (RLT Rodgau)

Die vollkommen asphaltierte, praktisch ebene Laufstrecke lässt für gewöhnlich hervorragende Leistungen zu, unterstützt durch die anerkannt gute Versorgung am Verpflegungsposten, vom Hefekuchen bis zum Käsebrot, vom heißen Tee bis zum Malzbier blieben keine Wünsche offen. Auch für die engagierten Helfer um Veranstalter Klaus Schulz war die Durchführung der Veranstaltung bei den herrschenden Wetterbedingungen eine besondere Herausforderung.

Wer das rote Fähnchen trägt, hat
50 km geschafft
Läuft Ende April in Hamburg ihren 1000. Marathon & mehr: Sigrid Eichner Gerda Kolb aus Nürnberg schaut von ihrem Bürofenster aus direkt auf die Laufstrecke

Die Verspätungen waren beileibe nicht das einzige Handicap der 9. Auflage, zu Schneefall, Schneematsch und Pfützen auf den Wegen, gelegentlichem böigen Wind, gesellte sich auch noch die städtische Berufsfeuerwehr. Das eingangs erwähnte Kurzgewitter hatte nämlich ausgerechnet einen Baum direkt neben der Laufstrecke durch Blitzeinschlag beschädigt, und die Beseitigung dieser latenten Gefahr duldete keinen Aufschub. Die Drehleiter der Feuerwehr musste auf der Laufstrecke in Position gebracht werde, die Läufer einen Umweg über die Wiese nehmen. Auch wenn sich die Feuerwehrmänner alle Mühe gaben, den Bypass von Schnee und Glätte zu befreien, die 20 Meter lange Cross-Einlage war auf Dauer eine zusätzliche Belastung für den passiven Bewegungsapparat.

Die Verpflegungshelfer hatten's auch bitterkalt Legendär gut ausgestattet: die SCMT-Verpflegungsstellen Verpflegen oder nicht verpflegen? Alle 1.523 m wieder die Frage aller Fragen

Diesen Widrigkeiten fielen letzten Endes auch die geplanten 80 Kilometer von Wolfgang Schneider zum Opfer. Runde um Runde zog er unbeirrt, flott und konkurrenzlos seine Bahn, doch am Ende fehlte die Kraft und es trennten ihn lumpige 26 Meter von der begehrten Grenze. Dem Läufer des LGV Marathon Gießen bleibt der Trost, die herausragende Leistung des Tages geboten zu haben, mit 79,974 km gewann er nicht nur die Klasse Senioren I (50-59 Jahre), sondern distanzierte auch das gesamte Feld der Jüngeren deutlich. Den 2. Gesamtplatz belegte Georg Weiß (LG Rosbach) mit 73,328 km vor Andreas Hauber (DJK Ellwangen), der 72,988 km zurücklegte.

Tagessieger Wolfgang Schneider (li.) mit Veranstalter Klaus Schulz Zu Gast in Nürnberg: Jugendgruppe aus Montenegro Siegerin Elke Streicher

Der Sieg bei den Damen wäre sicherlich genauso deutlich ausgefallen, wäre die für EK Schwaikheim startende Elke Streicher nicht ein Opfer der bereits erwähnten Straßenverhältnisse geworden. Schon während der Anreise kamen leise Zweifel auf, ob sich der ganze Aufwand bei den zu erwartenden Verzögerungen noch lohnt. Mit fast 40 Minuten Verspätung an der Startlinie war natürlich kein befriedigendes Ergebnis mehr möglich, die Leistung von 62,441 km reichten dennoch zum versöhnlichen Gesamtsieg. Den 2. Platz belegte Anne Smolka (Marathon Schwarzwasser) mit 61,551 km vor der Österreicherin Eva Jaksch (HSV Wals), die 61,375 km erzielte.

2. Anne Smolka 2. Georg Weiß 3. Eva Jaksch 3. Andreas Hauber

Ein ganz besonderes Ereignis dieses Wettkampfes war sicherlich die Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus Montenegro. Die sieben Mädchen und zwei Jungs im Alter von 10 bis 15 Jahren trotzen den Bedingungen, blieben unterstützt von ihrer Trainerin die gesamten 6 Stunden auf der Laufstrecke und verdienten sich uneingeschränkt Bewunderung und Respekt für ihre tollen Leistungen. Fast alle legten mindestens 40 Kilometer zurück, die Tagesbesten waren die 14-jährige Dijana Kovac mit 51,273 km und ihre 2 Jahre jüngere Schwester Danijela, die 50 Kilometer und 13 Meter erlief. Insgesamt wurden 127 Teilnehmer klassiert. Die offizielle Ergebnisliste wird in einigen Tagen im Internet verfügbar sein.

Bericht Michael Krüger
Fotos Gabi Leidner & Michael Krüger

Ergebnisse unter www.srichinmoyraces.org/de

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