09.04.05 - 25. 100 km-Lauf in Grünheide/Kienbaum

Zwar keine Krone, aber dafür Lorbeer für Thomas König

1977 fand in Grünheide östlich von Berlin der erste ostdeutsche 100 km-Lauf statt und ist somit ein echter Klassiker unter den deutschen Ultramarathonläufen. Da es nach dem Fall der Mauer eine Veranstaltungslücke gab, konnte erst dieses Jahr das 25. Jubiläum gefeiert werden.

In Kienbaum fanden die Organisatoren um Gert Schlarbaum 1992 eine neue Strecke und eine perfekte Infrastruktur, nämlich das wenige Kilometer von Grünheide entfernte ehemalige Leistungssportzentrum  der DDR, wo für die Elite beste Bedingungen geschaffen wurden, um dem sportideologischen Anspruch im Arbeiter- und Bauernstaat gerecht werden zu können. Beispielsweise die unter einem Erdhügel verborgene Unterdruckkammer, die zur Simulation von Höhen bis 4000m diente, um so Läufern, Radrennfahrern, Schwimmern und Rudersportlern ein Höhentraining zu ermöglichen.

Auf den Betonplatten: Stephane Mathieu aus Paris, der seinen 105. 100 km-Lauf lief An der Wettkampfstrecke gelegen: Der idyllische Liebenberger See ist das Revier der Bootssportler Auch nach 9h noch guter Dinge - Hajo Palm

Mittlerweile in den Rang eines Bundesleistungszentrums erhoben, ist die Sanierung weit fortgeschritten. Für die 100 km-Läufer heißt das, ideale Bedingungen auch vor und nach dem Wettkampf. So nutzen die meisten die angenehme Möglichkeit, in der direkt an der Strecke gelegenen Sportlerunterkunft günstig zu nächtigen und sich nebenan in der Mensa zu verpflegen. Weitere Annehmlichkeiten wie die Schwimmhalle können genutzt werden.

Die Wettkampfstrecke in Form einer länglichen Acht verläuft bis auf ein kurzes Stück gänzlich auf dem Gelände des Leistungszentrums. Asphaltiert (bis auf ca. 80m Waldboden) und flach (bis auf kaum merkliche Wellen) bietet die 5 km-Runde beste Gelegenheit für gute Zeiten. Eine Passage mit Betonplatten stellen bei fortgeschrittener Wettkampfdauer die Belastbarkeit des passiven Laufapparates allerdings auf eine harte Probe.

100km unzertrennlich - Anne und Lothar Smolka Energie - altbewährt und magenfreundlich Ralph Hermsdorf vom LC Auensee Leizig - Veranstalter der diesjährigen 100km DM

Genau 45 Frauen und Männer traten um 7 Uhr an, unter ihnen eine erkleckliche Anzahl von Neulingen auf der 100 km-Distanz. Nachdem letztes Jahr aufgrund der Durchführung der Deutschen Meisterschaften die Teilnehmerzahl mehr als doppelt so hoch war, ist nun wieder der Alltag eingekehrt und es heißt, kleinere Brötchen zu backen. Mit den Rahmenwettbewerben über 50 und 30 km sowie dem 5x10 km Staffellauf waren 115 Teilnehmer am Start. Immerhin verliehen Teilnehmer aus Frankreich, Dänemark, Österreich, Ungarn und der Türkei der Veranstaltung ein wenig internationales Flair. Bei anfänglich frischen Temperaturen fanden sie im weiteren Tagesverlauf optimale Wetterbedingungen vor.

Thomas König vom SuL Lößnitz reiste mit dem Sieg beim Bienwald-Marathon im Gepäck an, wo er seine Bestzeit auf 2:31 verbesserte. So war sein klares Ziel, sich in Kienbaum mit einer guten Leistung für den Einsatz bei der 100 km-WM in Japan zu empfehlen. Anfangs in Führung ließ er jedoch bald Debütant Mehmet Arslan aus Ankara und den Triathlonspezialisten Jörg Plenzke (A3K Berlin) passieren. Beide sind mit einer schwächeren Marathonbestleistung ausgestattet und König sollte mit seiner Taktik Recht behalten.

Jürgen Köllner achtet auf warme Waden Die Unterkunft liegt direkt an der Wettkampfstrecke Heike Pawzik

Insbesondere Arslan, der sich völlig überschätzt hatte, musste bereits nach 25 km Plenzke alleine ziehen lassen und im weiteren Verlauf seinem Anfangstempo Tribut zollen. Er wurde durchgereicht, kämpfte sich aber teils mit Gehpausen bravourös bis zum bitteren Ende durch, schließlich blieb Platz 10 für ihn übrig.

Bis Kilometer 65 in Führung liegend, strich dann auch Plenzke die Segel, er teilte das Schicksal mit 12 weiteren Läufern, die aufgeben mussten. Damit war der Weg frei für den sicheren Sieg von Thomas König in 7:25:02, vier Minuten über seiner eigenen Bestzeit. Zweiter wurde Herbert Hartl vom LCC Wien in 7:45:05 vor Dr. Stefan Weigelt (SG Neukirchen-Hülchrath), der wie so manch andere(r) die guten Verhältnisse für eine neue persönliche Bestzeit nutzte. 7:53:54 stehen jetzt für ihn zu Buche.

Siegerinnen - dekoriert: (v.l.) 1. Ilona Schlegel, 2. Carmen Hildebrand, 3. Simone Stöppler Die Tagesschnellsten: 1. Thomas König, 2. Herbert Hartl, 3. Dr. Stefan Weigelt

Bei den Frauen setzte ebenfalls eine Debütantin die ersten Akzente. Die Dänin Eva Birgerson aus Kopenhagen schlug als einzige ein Tempo unter 5 min/km an. Etwas vorsichtiger ließen es die erfahrenen Carmen Hildebrand vom SSC Hanau-Rodenbach und ihre Vereinskollegin Simone Stöppler angehen. Dahinter hielt sich die 24 Stunden-Spezialistin Ilona Schlegel (Melpomene Bonn) in Lauerstellung.Auch hier musste die Führende Lehrgeld zahlen. Nach 55 km wurden ihre Rundenzeiten schwächer und Carmen Hildebrand übernahm die Führung, die sie fast bis ins Ziel verteidigen konnte. Verletzungsbedingt fehlten ihr jedoch Trainingskilometer im Winter, so dass sie der glänzend aufgelegten Ilona Schlegel auf der vorletzten von 20 Runden nichts mehr entgegen setzen konnte. Sieg also für Ilona Schlegel in neuer persönlicher Bestzeit von 8:37:55 vor Carmen Hildebrand in 8:40:28 und Simone Stöppler, die 8:47:08 erzielte.

Die nett moderierte Siegerehrung in gemütlicher Atmosphäre, bei der alle Finisher präsentiert wurden, rundete diese gelungene und überaus sympathische Veranstaltung ab. Selbst ein Fässchen mit Regenerationsförderer (leicht schäumend) wurde noch aufgetrieben, schließlich waren es bis zur wohlverdienten Matratze nur noch ein paar Schritte.

Anm.d.Red.: Gratulation an Michael Krüger zur neuen pB von 8:39:25 h  und Platz 6.

Bericht und Fotos Michael Krüger

Ergebnisse unter http://www.kienbaum-sport.de/

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