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    Baden-Marathon Karlsruhe
15. 9. 2002
  © Michael Krüger
Letzte Änderung: 17.9.2002
 
    Freitag der 13. bringt Unglück. Sagt man. Bei mir war Samstag der 14. schlimmer. Ich werde nicht aufzählen, was ich beim Einpacken alles vergessen habe, die Liste würde länger als dieser Bericht werden. Höhepunkt war jedenfalls, dass ich beim Gang über die Marathonmesse meine Meldebestätigung irgendwo liegen lasse und dann nicht mehr finden kann. Wenn das so weitergeht, werde ich in der M60 vermutlich meist ohne Schuhe antreten müssen. Zu Hause vergessen.  
Distanz 42,195 km
Aufstieg flach
Abstieg  
Zeitlimit 5 h 30 m
Läufer 1670
         
    Zum Glück ist der Fauxpas mit einem Blick in die alphabetische Starterliste geregelt, so erfahre ich meine Startnummer und kann eine nette Dame durch Herunterbeten meiner persönlichen Daten inklusive Chipnummer überzeugen, dass ich der rechtmäßige Besitzer der Startunterlagen bin. So steht einem Start dann doch nichts mehr im Wege.  
         
Trubel   Also finde ich mich am Sonntag morgen gegen 8:00 an der Europahalle ein. Der Trubel ist bereits groß, mit den Halbmarathonläufern und dem Team-Marathon sind fast 7000 Läufer gemeldet. Die Gepäckabgabe ist etwas versteckt und ich muss mich durch Schlangen vor den Toiletten kämpfen, aber dann ist die Abfertigung doch recht flott.  
bis zu 23°
         
Kenyan
Speed
  Die Temperatur ist angenehm und in kurzen Wettkampf-Dress gehe ich mich warmlaufen. Dazu ist der unmittelbar neben der Europahalle gelegene kleine Park entlang der Alb ideal. Hier tummeln sich schon viele Läufer, da werden schon Steigerungen gemacht, als stehe der Endspurt an. Nur zwei schleichen in unglaublich langsamen Tempo dahin, zwei Kenianer. Vielleicht zwei von den vieren, die später die ersten vier Plätze belegen sollten?  
         
Start   Rechtzeitig begebe ich mich in meinen Startblock, es gibt zwei Startreihen, eine für die Marathonis und eine für diejenigen, die mit der halben Strecke zufrieden sind. Der Start verläuft reibungslos, das Feld mischt sich rasch, alle biegen links ab und nehmen Kurs auf die Innenstadt. Mal wieder habe ich es versäumt, meine Uhr richtig zu starten, so frage ich bei Kilometer 1 den nächstbesten Nachbarn, wie schnell wir sind. Unter 4:30, das ist zu schnell und versuche mich gleich zu bremsen. Die vielen Halbmarathonläufer und die Teamläufer, die ja bereits nach gut 10km wechseln und so ihren Lauf vollendet haben, ziehen wie ein neuer Staubsauger.  
       
Immer
geradeaus
  Nun laufen wir in die Kriegsstraße ein, im Streckenplan ist hier das Karlsruher Schloss eingezeichnet, nur, zu sehen bekommen wir es nicht. Die städtebaulichen Reize von Karlsruhe sind leider im Programm nicht (mehr) vorgesehen, vielleicht wieder in Zukunft? Es folgt die endlose Gerade hinunter nach Durlach, statt breite Verkehrsadern geht es nun also durch Wohnsiedlungen. Zuschauermengen und -Begeisterung hält sich hier wie auch an der gesamten Strecke in Grenzen, was mir persönlich aber ziemlich gleichgültig ist. 10 km in 46:16, ich liege perfekt im Plan.    
         
Waldlauf   Nach Überquerung der Autobahn folgen 2 km durch den Oberwald, sehr angenehm. Im Stadtteil Weiherfeld keimen heimische Gefühle, denn wir durchlaufen die Belchenstraße, queren die Schauinsland-Straße, die südbadische Schwarzwaldkulisse grüßt, wenn auch nur von der Straßenschildern. Jetzt beginnt der Streckenteil, den wir dreimal passieren werden, hier haben sich verhältnismäßig viele Zuschauer eingefunden. Bei km 34 und 38 sieht man sich wieder...  
       
Halbzeit   Kurz nach 18 km verlassen uns die Halbmarathonis, jetzt wird es ruhig auf der Strecke, jedenfalls bis ich die ersten Walker eingeholt habe, die bei Kilometer 21,1 starten. Ich bin noch im Zeitplan, doch jetzt schaut immer öfter die Sonne zwischen der lockeren Bewölkung durch, der Schwamm kommt zum Einsatz. Industriegebiete sind selten schön. Auch das in Rheinhafennähe, das wir jetzt durchlaufen, macht keine Ausnahme. Zeit, in sich hinein zu horchen, Kilometer 25, ich fühle mich müde. 4:45 stoppe ich für einen Kilometer, jetzt ist klar, alle kühnen Hoffnungen auf eine 3h15 können heute ad acta gelegt werden.  
         
Sax
Power
  Das Frauen-Saxophonquartett, das immer wieder an verschiedenen Stellen aufspielt, erinnert mich an den Wettlauf zwischen Hase und Igel. Wo ich mich mühsam hingearbeitet habe, sie sind schon da. Die Getränkestellen sind mir aber wichtiger, denn es ist recht warm geworden. Nach km 32 befinden wir uns wieder auf der schon erwähnten Teilstrecke, die dreimal durchlaufen wird. Jetzt habe ich Gegenverkehr. Die Frauensiegerin Alemity Bekele aus Äthiopien, läuft mir entgegen, beeindruckend, diese attraktive Sportlerin Laufen zu sehen. Sie hat bereits der 39 km geschafft.    
         
Die
Wende
  Einerseits ist es nett zu beobachten, wer sich so im vorderen Feld herumtreibt, aber die Vorstellung, jeden Meter der insgeamt 4 km bis zur Wendestelle wieder zurücklaufen zu müssen, ist in dieser Phase nicht gerade aufbauend. Wohltuend aber, dass sich hier reichlich schattige Passagen finden. Ich bin froh, als ich den Wendepunkt erreiche.    
         
Laufende
Kunst
  Immerhin hat man so Gelegenheit, auch das eine oder andere laufende Kunstwerk in Aktion zu sehen. Ganzkörperbemalte Läuferinnen und Läufer sind auf der Strecke und ich persönlich fand die Bemalung ästhetisch gelungen. Die am Vortag gebotene Performance, die die historische Schlacht von Marathon nachstellen sollte, fand allerdings beim Publikum nur bescheidenen Anklang.  
         
Tunnel-
blick
  Ein letztes Mal passiere ich das Zuschauerspalier bei km 38, mittlerweile mit Tunnelblick, ich nehme niemand mehr wahr. Die Zeche für das zu hohe Anfangstempo ist jetzt abzuliefern. Bei km 40 ist schließlich die Luft ganz raus. Ich schalte um auf "gemütlichen" 6er-Schnitt und jogge das Ding in 3:25:33 nach Hause.    
         
Heaven
or
Hell
  "Runner's Heaven" heißt der Zielbereich, und zu meiner Ankunftszeit war zumindest noch alles verfügbar, Schorle verschiedener Geschmacksrichtung, Cola, Bier, Banane, Apfel, Brezel, Kuchen... Leider nicht mehr alles für die später Ankommenden, die es mindestens genauso verdient haben. Runner's Hell? Ich muss jetzt erstmal 5 Minuten im Schatten sitzen, erst jetzt realisiere ich, wie warm es geworden ist. Die Gesichter um mich herum sind mit Salzkrusten verziert, die Sanitäter habe heute einiges zu tun.  
       
    Obwohl meine Renneinteilung schlecht war, bin ich trotzdem zufrieden. Nach monatelangen Verletzungsproblemen konnte ich mich nicht richtig einschätzen. Dafür fühlte ich mich bereits nach der Dusche wieder total frisch und genoss in geselliger Runde den herrlichen, sonnigen Nachmittag. Laufpläne schmieden inbegriffen.