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    Hornisgrinde Marathon
oder wie ich die 4 Stunden-Grenze "knackte" ;-)
21. 7. 2002
  © Michael Krüger
Letzte Änderung: 18.10.2002
 
    Was macht man, wenn man nach überstandener Verletzung wieder einen ordentlichen Wochenumfang aufgebaut und die Grundlagenausdauer gestärkt hat? Man könnte den langen Lauf am Wochenende um ein paar lumpige Kilometer verlängern :-) und mit einem kleinen Ausflug verbinden. Man könnte eine schöne Runde im Nordschwarzwald laufen, nicht weit entfernt von der Hornisgrinde. Man könnte einen Lauf angehen, der - zeitlich flankiert von attraktiven Ultraläufen - nicht so einfach in der Wettkampfplanung unterzubringen ist. Eine einmalige Gelegenheit sozusagen.  
Distanz 42,195 km
Aufstieg ca. 400 m
Abstieg dto.
Zeitlimit 5 h 45 m
Läufer ca. 300
         
6 Uhr   So trete ich Sonntags morgens kurz nach 6 Uhr vor die Türe meiner Herberge an der Schwarzwaldhochstraße. Es ist unerwartet warm, ich befinde mich ja auf fast 1000 m Höhe, nach einer recht klaren Nacht. Auch gut, so gibt es bei der Bekleidung nichts zu überlegen. Der Chef höchstpersönlich kommt an, um mir zu dieser Zeit das Frühstück zu bereiten! Bald ist der ganze Tisch üppig gedeckt, nur für mich. Zum Glück muss ich keine Rücksicht nehmen, heute ist eh kein Tag für Bestzeiten.  
um die 23°
         
Am Start   Um 7:45 ist das Startgelände am Hundseck schon gut bevölkert. Um 8:00 soll der parallel stattfindene 10km-Lauf gestartet werden. Dieser Start verzögert sich aber, genau wie beim Marathon auch, um ca. eine Viertelstunde, da sich ein Unfall auf der Autobahn ereignet hatte und sich vermutlich einige Lauffreunde verspäten würden - viele Startnummern waren noch nicht abgeholt. Zum 30. Mal wird der Hornisgrinde-Marathon nun veranstaltet, hier weiß man die Treue seiner Stammkundschaft zu schätzen, es geht familiär zu. Fanden in den 80ern fast 1000 Marathonis den Weg zum Hundseck, so sind es trotz Laufboom dieses Jahr trotz Jubiläum nur ca. 300 Läufer. Hier gibt es keinen Anmeldestopp!  

       
Und los !   Kurz vor halb Neun haben sich alle hinter die Startlinie begeben, der Startschuss fällt und los geht's. Schon kurz nach dem Start verlieren wir an Höhe und am Kurhaus Sand müssen wir kurz auf die B500, der Verkehr wird für uns angehalten. Das sind einige der wenigen Asphaltmeter, die es zurückzulegen gilt, ansonsten bietet der Lauf Naturwege pur, überwiegend breite Wirtschaftswege, aber auch kleinere Pfade, die nicht ganz leicht zu laufen sind und die nötige Vorsicht erfordern.  
         
    Das Feld zieht sich auseinander und jeder findet seinen Rhythmus, der erstmal am Hotel Plättig unterbrochen wird. Hier geht es zur Abwechslung leicht bergauf, aber das bleibt eher die Ausnahme, die gute erste Hälfte der Strecke geht es im wesentlichen bergab. Wir wurden daher vor dem Start freundlich auf Neudeutsch gewarnt, nicht zu "überpacen", aber da besteht bei mir keine Gefahr, 5:30 pro Kilometer visiere ich an und das lässt sich am Anfang einigermaßen kontrollieren, bevor die Markierungen in Folge eher lückenhaft werden.  
         
    Anfangs befinde ich mich in einer größeren Gruppe, die Unterhaltung ist angeregt, alle vom selben Verein. Bald geht mir das Gequatsche auf die Nerven und an der nächsten Verpflegungsstelle schnappe ich mir flott einen Becher und schwupps bin ich davon und genieße fortan ruhiger die schönen Waldwege. Fast unmerklich verliert man an Höhe, doch oft sinkt mein Puls unter 130, untrügliches Zeichen, dass es bergab geht.    
         
Am
Stausee
  Abwechselnd gibt es schöne Ausblicke, dann wieder verschluckt uns der dichte Wald. Der Schatten dort ist höchst angenehm und ab und zu kommt ein frischer Wind auf, der uns kurzeitig Abkühlung verschafft. Wir passieren die Halbmarathonmarke und nun ist es nicht mehr weit zum landschaftlich schönsten Teil der Strecke am Stausee entlang. Hier laufen wir einen Kilometer entlang bis zu einem Wendepunkt, Gelegenheit zu sehen, wer so vor einem und hinter einem läuft. Der See glitzert und funkelt, doch mit den Anglern, die das Ufer bevölkern, möchte ich dennoch nicht tauschen.    
         
Wieder
Höhe
gewinnen
  27 km haben wir in den Beinen und nun geht es bergauf. Aufgrund meines moderaten Tempos halte ich mühelos meine Geschwindigkeit, während die meisten der Läufer langsamer werden oder gar erste Gehpausen benötigen. "Spare zu Zeiten, dann hast Du in der Not". Wie oft habe ich diesen Leitspruch von meiner Mutter gehört. Kriegsgeneration. Unwillkürlich kommt mir das in den Sinn. Ich habe Kräfte gespart und so überhole ich einen Läufer nach dem anderen. Ausgerechnet jetzt wird der Wald lichter und wir spüren die kräftige Sonneneinstrahlung. Auch abseits der Verpflegungsstellen stehen nun wassergefüllte Wannen, die Veranstalter scheuen keine Mühe, um einen optimalen Lauf zu garantieren.    
         
    Nach 3,5 Stunden macht sich dann eine leichte Müdigkeit bemerkbar und ich kalkuliere, was für eine Endzeit sich abzeichnet. Am Vorabend hatte ich noch "unter 4 Stunden bleiben" als Marschroute ausgegeben, doch das wird jetzt eng. Bei Kilometer 40 habe ich noch gut 10 Minuten und auf den letzten zwei Kilometern Tempo machen ist doch nicht zu verachten, schließlich ist es ein Trainingslauf ;-)    
         
Am Ziel   Doch da habe ich die Rechnung ohne die Schlusssteigung gemacht. Anfangs gelingt mir noch ein 5er-Schnitt, doch der allerletzte Kilometer wird so steil, dass ich mich schwer keuchend den Asphalt hocharbeite. Warmer Applaus gibt es auf den letzten Metern, so fällt es nicht schwer nochmal ein Lächeln aufzusetzen für das Foto von Laufreporterin Gabi Leidner und nach 4:01:45 passiere ich die Ziellinie. Die 4 Stunden-Grenze ist erstmals "geknackt". Nach oben :-) Als Finisher kann man zwischen verschiedenen T-Shirts oder auch einem Handtuch als Andenken wählen.  
       
Fazit   Zusammengefasst ein herrlicher, bestens organisierter Landschaftsmarathon in der Ferienlandschaft des Nordschwarzwaldes, der nur empfohlen werden kann. Und wem der Marathon nicht in die Saisonplanung passt, dem stehen Halbmarathon oder 10km-Lauf zur Verfügung. Den Freunden der Kuchentheken kann ich versichern, dass eine große Auswahl bester Qualität offeriert wurde und das auch für die späteren Finisher.  
         
PS   Wer noch nicht genug hat, kann dem nahegelegenen, sehr malerischen Sasbachwalden einen Besuch abstatten. Dabei werden Weinliebhaber nicht um eine kleine Probe bei der örtlichen Winzergenossenscahft "Alde Gott" herumkommen, es lohnt sich!