28.03.04 - 1. Freiburger Marathon

42,195°C – Freiburg im Marathonfieber

50.000 Zuschauer feiern 9000 Läufer bei der gelungenen Premiere

Fast konnte es einem in den letzten Monaten unheimlich werden. Ob an der Dreisam entlang, im Mooswald oder in anderen klassischen Laufrevieren der Breisgau-Metropole, alles platzte aus den Nähten. Was zwei Beine und ein Paar Laufschuhe sein eigen nannte, war unter der Woche trainierenderweise unterwegs, schnürte sie nun sonntags zum Long Jog. Nichtsahnend besuchte man eine Party, wo der eine oder andere Gast bisher - wenn überhaupt – ab und zu ein Gesundheitsläufchen wagt, und schon nach kurzem dringen Wortfetzen „Halbmarathon“... „Marathon“ ans Ohr. Die lokale Presse nahm die Stimmung auf, Leserbriefspalten füllten sich mit Zuschriften zur Thematik, keinem konnte es verborgen bleiben, das Marathonfieber grassierte in Freiburg.

Dabei war anfangs doch eine gehörige Portion Skepsis in der regionalen Laufszene zu spüren. Als letzten Herbst die kursierenden Gerüchte Realität annahmen, war man verwundert, dass die Premiere des Freiburg Marathon schon im März 2004 über die Bühne gehen sollte. Man bemängelte, dass die örtlichen Vereine nicht frühzeitig involviert wurden, alles schien mit heißer Nadel gestrickt.

Blick auf das blühende Läufertreiben in Freiburg

Eine weitere Hiobsbotschaft war, dass der Marathon nicht beim BLV angemeldet werden sollte, die erzielten Leistungen somit also nicht bestenlistenfähig wären. Orga-Chef Weigl war die Verbandsabgabe von 50 Cent pro Läufer ein Dorn im Auge, da er eine nennenswerte Gegenleistung des DLV nicht zu erkennen vermochte. Solcherlei Töne kamen in den Vereinen jedoch gar nicht gut an, wo mit ehrenamtlichem Engagement Beeindruckendes geleistet wird und jeder Volkslauf es zuwege bringt, die Verbandsabgabe in die finanzielle Planung einzubeziehen.

HM-Führungsgruppe nach 9 km v.l.: 4. Markus Gerbes, 1. Max Frei, 3. Markus Jenne, 2. Philip Holzer Das Freiburger Münster immer im Blick HM-Gruppe bei km 9 mit der Siegerin Barbara Imgraben (li.) und der zweiten Sara Ferroglia

Der Zuspruch jedoch, war von Beginn an überwältigend. Kaum waren Ausschreibungen gedruckt und verteilt, kletterten die Anmeldezahlen in solche Höhen, dass der ursprünglich am Rande der Altstadt geplante Start-/Zielbereich alsbald zur Neuen Messe verlegt wurde, angesichts der phänomenalen Beteiligung eine kluge Entscheidung. Inklusive Nachmeldungen wollten fast 9000 Läufer die 21,1 km lange Strecke unter die Füsse nehmen, rund 3400 davon wollten sie zweimal durchlaufen, um so die klassische Marathondistanz zu bewältigen. Damit katapultiert sich Freiburg schon mit der Erstausgabe unter die Top Ten der deutschen Stadtmarathons. Als schließlich kurz vor Toreschluss die Kontrahenten beim Thema Verbandsabgabe einlenkten – der Veranstalter „spendete“ 4000 Euro für die Jugendarbeit im DLV – konnte einem Lauffest eigentlich nichts mehr entgegen stehen.

Viel Fußvolk

Auch die Streckenplanung wurde anfangs kritisch beäugt. Man monierte viele Kilometer durch den städtebaulich wenig attraktiven Freiburger Westen, die Strecke sei aufgrund ihres Profiles schwer, führe durch ein verschlafenes Dorf, was gab es nicht alles zu hören. Vorneweg: die Premiere strafte allen Kritiker Lügen. Und auch das Wetter spielte mit, bei strahlend blauem Himmel zeigte sich Südbaden von seiner heitersten Seite, allerdings war es in der Frühe erst mal lausig kalt, verschärft durch die Umstellung zur Sommerzeit. So war auch die ewige Frage „kurz oder lang“ wieder beliebtes Gesprächsthema.

HM 1. Barbara Imgraben Marathonsieger Ulrich Benz holt HMler ein HM 1. Max Frei Marathonsiegerin Birgit Bartels

Punkt 9 Uhr 30 wurden die Halbmarathonis von Freiburgs OB Salomon auf die Strecke geschickt. Die Marathonis folgten 10 Uhr 10. Hatte man erst mal seinen Rhythmus gefunden, war schon das Ende der Berliner Allee erreicht und in Haslach konnte man den ersten Vorgeschmack auf das engagierte Publikum erhalten. Das hat nämlich seit der spektakulären Tour de France Etappe 2002 mit Ziel in Freiburg einen Ruf zu verteidigen und das gelang in vollem Umfang.

Zwei Wenden ... ... galt es zu passieren Marathon 3. Frank Brengartner

Nächster Höhepunkt war die Blaue Brücke am Hauptbahnhof, jubelnde Zuschauer empfingen die Läufer, die sich nun dem historischen Zentrum näherten. Die Altstadt selbst war für die Läufer Tabu. Die verwinkelten Gässle mit Kopfsteinpflaster und den berühmten Freiburger Bächle wären wahrlich kein geeignetes Laufterrain gewesen.

An der Strecke sorgten rund zwei Dutzend Bands, Trommler, Rock’n’Roller jeglicher Couleur für Abwechslung. Die Versorgung an der Strecke war läufergerecht, alle 2,5 km abwechselnd ein Wasserposten und eine Verpflegungsstelle, wo zusätzlich isotonische Getränke, Bananen und Energieriegel gereicht wurden. Zur raschen Orientierung wäre es hilfreich gewesen, wenn Tafeln die Läufer informiert hätten, wo in der Verpflegungszone was gereicht wird. Der eine oder andere Fehlgriff im Eifer des Gefechtes wäre erspart geblieben. Die feste Nahrung war etwas lieblos in großen Kübeln offeriert, was nicht gerade zur Übersicht beitrug. Hier wäre sicher noch Verbesserungspotential, um den Läufern einen speditiven Zugriff auf das Gewünschte zu ermöglichen.

Am Schwabentor

Nachdem man die Altstadt umlaufen hat, erreicht man die erste Begegnungsstrecke am Schlossberg. Am Schwabentor brummt dann wieder der Bär, bevor man in die Kartäuserstraße einbiegt, deren Enge sich wegen des Begnungsverkehrs als Schwachpunkt in der Streckenführung erwies. Die schnellen Marathonläufer mussten hier auf engem Raum sich durch die Nachhut der Halbmarathonis kämpfen und das Führungsfahrzeug hatte auch seine liebe Not. Bei möglicherweise weiter steigenden Teilnehmerzahlen sollte die Streckenführung hier sicher überdacht werden.

Versorgung Das schöne Wetter lockte viele Zuschauer an die Strecke

Nachdem der östlichste Punkt beim Universitätsstadion erreicht ist, heißt es retour entlang der Dreisam, prächtige Frühlingsstimmung mit blühenden Obstbäumen inklusive. Am Stadtgarten verlässt man die Begegnungsstrecke und passiert den attraktiven Stadtteil Herdern. Im alten Zentrum Herderns, das trotz Stadtnähe dörflichen Charme versprüht, bilden die Zuschauermassen eine Enge Gasse für die Läufer und verbreiten eine geniale Stimmung, jeder einzelne wird hier gefeiert, Gänsehaut-Feeling inbegriffen. Der Wilde Eber von Freiburg liegt in Herdern!

Wendepunkt in Freiburgs nördlichstem Stadtteil Zähringen HM 1. M50 Charly Doll (re.) Zweifacher Olympiateilnehmer Manfred Steffny lief den HM und schaute sich die Langstreckler an

Solchermaßen elektrisiert nehmen die Läufer Kurs auf Zähringen und nach einem weiteren Wendepunkt dürfen die Halbmarathonis bald Witterung aufnehmen, das Ziel naht. Der erste, der dies am heutigen Tage schaffte, war Max Frei (USC Freiburg), erfolgreicher Berg- und Straßenläufer, der letztes Jahr mit der Berglauf-Nationalmannschaft Bronze bei der Berglauf World Trophy holte. In 1:10:10 gewann er den Halbmarathon. Bereits nach dem Uni-Stadion konnte er sich von seinen Gegnern absetzen und lief das Ding nach Hause vor dem Schweizer Philip Holzer vom SC Liestal bei Basel, der 1:10:32 benötigte. Platz drei belegte Frei’s Vereins- und Nationalmannschaftskollege Markus Jenne (1:11:26).

Kurz vor dem Ziel Marathon 2. Konstantin Fütterer im Ziel

Auch bei den Frauen setzte sich auf der flachen Strecke – höchster und tiefster Punkt weisen eine Höhendifferenz von knapp 50 m auf - eine profilierte Bergläuferin aus der Region durch: Barbara Imgraben vom TV Britzingen siegte in 1:21:21. Dabei wollte sie ursprünglich gar nicht starten, gewann aber einen Freistart durch ihren Sieg beim Freiburger „Count-Down-Lauf“ im Februar. Zweite wurde Sara Ferroglia (Runner Team 99), die 1:22:27 benötigte, der dritte Rang ging an Laura Suffa (SCC Berlin, 1:22:54).

Stimmung an der Strecke und im Zielbereich

Die Marathonis dagegen freuten sich auf eine zweite Runde. Mittlerweile hatte die Sonne kräftig Arbeit geleistet und wer sich für „lang“ entschieden hatte, mag dies nun vielleicht bereut haben. Da weder Zugpferde eingekauft wurden noch große Prämien lockten, war wie beim Halbmarathon auch im Marathon der Weg frei für die regionale Spitze. Der Freiburger Ulrich Benz  (LG Brandenkopf-TV Ohlsbach) machte frühzeitig Ernst und konnte sich mit einer Laufzeit von 2:33:21 als erster Sieger in die Annalen des Freiburg Marathon eintragen. Mit fünf Minuten hielt er den Zweitplatzierten Konstantin Fütterer vom USC Freiburg (2:38:22) deutlich auf Distanz. Platz drei errang ein weiter Regioläufer, Frank Brengartner (SC Münstertal) der 2:39:33 benötigte.

Bei den Frauen ließ die favorisierte Birgit Bartels vom SV Kirchzarten nichts anbrennen und blieb als einzige Frau mit 2:59:33 unter der 3-Stunden-Grenze. Gudrun Heinemann (USC Freiburg) folgte mit deutlichem Abstand in 3:07:41, den dritten Rang  belegte Kerstin Althoff vom SSK Kerpen in der Zeit von 3:09:47.

Auch die Sieger waren bis auf die erwähnte Schwachstelle voll des Lobes für die Strecke und die Organisation. Man darf gespannt sein auf Detailverbesserungen des nächsten Jahres. Die Neue Messe als Start-/Zielbereich und Infrastruktur für das Rahmenprogramm erlaubt problemlos ein größeres Teilnehmerfeld, durch gezielte Korrekturen würde dies zweifellos auch die Strecke verkraften.