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    Fidelitas Nachtlauf
30. 6. 2001
  © Michael Krüger
Letzte Änderung: 2.8.2001
 
Erlebnis-
bericht
  Der Fidelitas Nachtlauf hat eine lange Tradition, bereits zum 23. Mal findet er dieses Jahr statt. Er genießt einen guten Ruf in der Ultraszene, immerhin ist er einer der wenigen Landschaftsläufe in Deutschland über eine solche Distanz in einer großen Runde. Grund genug also für mich, den Lauf in die Vorbereitung für den Swiss Alpine Marathon einzuplanen. Ohne Ambitionen nehme ich mir vor, den Lauf ruhig in 8-9 Stunden zu absolvieren.

Start und Ziel ist dieses Jahr neu im Stadion des TUS Rüppurr (Stadtteil von Karlsruhe). Die Startnummernausgabe erfolgt in der 5 Gehminuten entfernten Eichgarten(sport)halle. Dies sorgt schon für den ersten Unmut unter manchen Läufern, das neue Startgelände wird wohl von einigen als Rückschritt empfunden. In einem Punkt muß ich auch Kritik üben: die Kegelbahn im Keller des schon etwas betagten Vereinshauses als Ruheraum war schon eine Zumutung.

Daher blickt mich die Dame an der Anmeldung wohl auch etwas mitleidig an, als ich frage, ob man denn in der Sporthalle - die optimale Bedingungen aufwies - übernachten könne, und mich auf besagte Kegelbahn verweist. Dann händigt sie mir die Startnummer aus: 13. "Die nehme ich nicht", sage ich prompt und ganz entsetzt blickt sie mich an. Vermutlich geht ihr jetzt durch den Kopf, wie sie wohl diesen unvorhergesehenen Fall EDV-technisch in den Griff bekommt, und ich beeile mich zu sagen, "nein, ich nehme die schon, bin ja nicht abergläubisch ;-)"

Den ganzen Tag lastete schon eine schwüle Hitze über der Rheinebene, Gewitter waren prophezeit. Bis zum Start um 17:00 versuche ich mich etwas zu entspannen und gut zu hydrieren. Schließlich die üblichen Vorbereitungen, wie immer vergesse ich ein Detail, diesmal das Einfetten der Schenkelinnenseiten. Werde mir doch mal eine Checkliste machen müssen ;-)

Pünktlich um 17:00 erfolgt der Start. Der Himmel war mittlerweile bedeckt und ein leichter Wind wehte, so läuft es sich nach einer Stadionrunde angenehm in das angrenzende Wäldchen. Das verläßt man aber bald und der Weg führt durch Karlsruher Vorortsiedlungen Richtung Durlach. Die Sonne zeigt sich auch wieder und die erste Getränkestelle am Durlacher Bahnhof nach 8,2 km wird förmlich herbeigesehnt.

Wir lassen nun den Stadtgürtel hinter uns und halten nach einer Schleife Kurs ins Kraichgau, die Landschaft wird gefällig und stimmt ein auf die landschaftlich schöne Runde. Die ersten Steigungen müssen nun überwunden werden, die aber alle gut zu laufen sind. An der zweiten Getränkestelle in Grötzingen (17 km) kann kaum schnell genug ausgeschenkt werden. Die Getränke sind zu warm, egal, Hauptsache flüssig. Sehr beliebt sind Kopfduschen in den bereitstehenden Wasserkübeln.

Wir gewinnen an Höhe und damit auch an Abstand zur schwülwarmen Luft der Rheinebene. Nach dem Asphalt der ersten Steckenabschnitte sind wir jetzt viel auf Waldwegen unterwegs. Den Kurs auf Jöhlingen (24 km) nehmend beginnt der Lauf nun richtig Spaß zu machen. Als wir eine Anhöhe erreichen, sehen wir, was sich hinter uns ereignet hat. Eine pechschwarze Wand zieht von Westen heran. Der Weg führt nun Richtung Süden nach Singen (35,4 km).

Gegen 19:30 ist es soweit. Die ersten Tropfen fallen und nach kurzer Zeit geht ein handfestes Gewitter über uns nieder. Da vorhergesagt, habe ich eine Regenjacke dabei, so bleibt der halbe Kerl einigermaßen "trocken", in jedem Fall ist mir mit der Jacke angenehmer. Sturzbäche fließen die Straßen hinab, den Füßen geht es daher weniger gut, sie schwimmen in den Schuhen, die randvoll mit Wasser sind. Aqua-Cushioning ;-)

Das Gewitter zieht ab und die Sonne kommt nochmal zum Tagesausklang hervor. Die Temperaturen sind jetzt angenehm und an den Getränkestellen herrscht nun statt hektisches Hinunterschütten eine gepflegte Trinkkultur, man schaut, wählt, hält ein Schwätzchen mit den Helfern. Die Zeit der Dämmerung ist mit das Schönste, was so ein Nachtlauf bietet (es sei denn, man läuft bis zum Morgengrauen). Eine Ruhe legt sich nicht nur über den Wald, sondern auch über die Ortschaften, die wir durchlaufen, und gleichermaßen breitet sich eine innere Ruhe in mir aus.

In Mutschelbach ist fast Halbzeit (38.3 km). Wir überqueren die A8 (Karlsruhe - Stuttgart) und laufen nun dem Schwarzwald entgegen, allerdings werden wir nur die Hügel am Rand mitnehmen. Langsam wird es dunkler, manche Waldpassagen sind gerade noch ohne Licht zu machen. Später, gegen 22:45 kommt dann doch die Stirnlampe zum Einsatz.

Hektik herrscht in Langenalb (56,4 km), dort ist richtig was los, es ist die letzte Wechselstelle für die Etappenläufer. Auch nach dieser Distanz liegen noch Staffeln hinter mir, ab und zu überholt mich der eine oder andere. Dabeisein ist auch hier das Wichtigste.

Die Verpflegungsstellen bieten jetzt neben Wasser, Iso-Getränk, Cola und Tee auch leckeres Malzbier an, da greife ich gerne zu. Die Verpflegung ist etwas eintönig, es gibt immer Bananen und Wassermelonen, ab und zu auch Hefekuchen, aber den bekomme ich schlecht hinunter und so bleibe ich bei Bananen.

Ab der Verpflegungsstelle in Marxzell (61,3 km) bin ich in Begleitung eines Läufers, nach so vielen Kilometern muß einfach das Tempo übereinstimmen. Artur ist ein erfahrener Ultraläufer, fast 60 Jahre alt und läuft heute nach monatenlangen Knieproblemen auf "Durchkommen". Er hat viel zu erzählen von seinen zahlreichen Ultraläufen und ich lausche gespannt seinen Erzählungen von 24- und 48-Stundenläufen. So vergeht die Zeit wie im Flug und nach der 14. und letzten Verpflegungsstelle haben wir noch 3,8 km zu laufen.

Die ganze Strecke ist übrigens hervorragend markiert, rote Wegweiser und weiße Kalkpfeile und vor allem ein dichtes Netz von rot/weißen Markierungsbändern, die gut im Schein der Lampen zu erkennen sind, so daß wir immer beruhigt wissen, auf dem rechten Weg zu sein. Trotzdem leisten wir uns zum Schluß einen kleinen Verhauer, Artur ist schließlich Karlsruher und hat den Lauf schon öfter bestritten und so trotte ich ihm hinterher als er einmal die falsche Richtung einschlägt, auf diese Weise kommen wir zu einer kleinen Zugabe.

Das hält uns aber nicht davon ab nach 7 Stunden 50 Minuten ins Ziel einzulaufen, wo wir mit nettem Beifall empfangen werden. Artur schickt mich nach vorne und als "Neuling" darf ich natürlich nicht widersprechen, so laufe ich als 27. und Artur als 28. ein. Wir stehen noch im Zielbereich und quatschen als der nächste Läufer eintrudelt und sich wutentbrannt über die Markierungen beschwert, er und "alle anderen" hätten sich verlaufen, da "müssen die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden". Ich schüttle nur den Kopf, aber das ist bei Nachtläufen wohl üblich, an der Markierung rumzumeckern. Manche haben da ein Problem...

Zusammengefaßt ein wunderschöner Lauf, hervorragend organisiert mit vielleicht kleinen Schwächen, über die man aber hinwegsehen kann. Respekt vor dem enormen Aufwand, eine solche 80 km-Runde nun schon zum 23. Mal zu veranstalten und Dank an die vielen Helfer, ohne die dies nicht möglich wäre, und das alles für eine doch bescheidene Zahl von Läufern (168 Einzelläufer, ca. 250 Staffelläufer klassiert). Diesem Lauf ist eine höhere Beteiligung zu wünschen.

Eine Medaille gab es sofort, Urkunde und Ergebnislisten werden nachgesandt (in der Startgebühr inbegriffen). Die Ergebnisse waren übrigens schon ca. 6 Stunden nach Zielschluß im Internet verfügbar - vorbildlich.

 
Distanz 80 km
Aufstieg ca 500 m
Abstieg dto.
Zeitlimit 16 h
Läufer 168
Staffel 250


schwül heiß



ob mir die 13
Glück bringt ? ;-)