06.09.03 - Deutsche Meisterschaften im 100 Km-Lauf

DM im 100 km-Lauf in Endingen beim 9. Peter-Lauf

Tanja Hooß und Michael Sommer erlaufen sich die Meisterehren

Im Vorfeld soll es Bedenken gegeben haben, die Deutschen Meisterschaften auf der Endinger Strecke auszutragen. Man befürchtete einerseits Probleme mit dem häufigen Begegnungsverkehr auf den schmalen Wegen durch die Endinger Rebberge und andererseits mäßige Zeiten wegen dem happigen Höhenunterschied von 107 Metern pro 10 km-Runde.

Marion Braun, Elisabeth Edlefsen, Elke Melzer in den Rebbergen
Noch liegen Tanja Hooß und Jutta Kolenc gleich auf
70 km Seite an Seite:
Miksch und Sommer

Wer schon mal in Endingen gelaufen ist, weiß, dass Ersteres kein Problem ist. Neben der Königsdisziplin, dem 100 km-Lauf werden beim Peter-Lauf die 50 km, ein Marathon sowie ein 5 x 10 km-Staffellauf angeboten, sodass in der Vergangenheit bereits gezeigt wurde, dass eine erhebliche Anzahl Athleten auf der Strecke gemeinsam klar kommen. Das Teilnehmerfeld auf der 100 km-Strecke war in den vergangenen Jahren bescheidener, dieses Jahr durfte sich Orga-Chef Klaus Kläger über fast 150 TeilnehmerInnen freuen, davon waren exakt 127 für die Deutsche Meisterschaft gemeldet. Inwieweit die fast 1100 Gesamthöhenmeter schnelle Laufzeiten verhindert, das würde man schon noch sehen...

Horst Preisler lief 50 km.
Für die Statistiker: Nr. 1208
Ein großes Lob für die immer freundlichen Helfer

Bei regnerischem aber mildem Wetter wurde um 7 Uhr gestartet. Auf dem wie gewohnt bestens präparierten Kurs wurden die Begegnungsstrecken diesmal mit weißen Linien markiert. Eine Verbesserung gegenüber den früher üblichen Pfosten mit Kunststoff-Bändern, die bei stärkerem Wind gerne mal umfallen, allerdings war diese Gefahr dieses Jahr aufgrund des frühen Termines geringer. Ende Oktober, wo bisher der Peterlauf stattfand, fegt schon mal ein kräftig herbstlicher Wind über den Kaiserstuhl. Schade, dass sich auch im Laufe des Tages nicht allzu viele Zuschauer einfanden, denn es wurde toller Laufsport geboten und an den Knotenpunkten, wo die Aktiven dreimal vorbei liefen, konnte das Renngeschehen sehr gut verfolgt werden.

2. M40 Helmut Dehaut
Reichte nur für Platz 4: Rüdiger Wegner
"Black Tigers" - dreimal TV Friedrichsfeld

An der Spitze dominierten die Favoriten Michael Sommer und Dr. Thomas Miksch. Wie schon bei den Europameisterschaften in Moskau, wo Sommer das bessere Ende für sich verbuchen konnte, liefen beide für viele Runden Seite an Seite. Von Anfang an ließen sie keinen Zweifel aufkommen, dass der Meistertitel zwischen ihnen entschieden wird. Würde Sommer seine ganze Routine von ca. 30 Hunderten, die er meist unter 7 Stunden beendete, ausspielen können? Oder könnte die zu bewältigende Höhendifferenz dem bergerfahrenen Miksch zum Vorteil gereichen, der zuletzt dreimal in Folge den Rennsteiglauf gewann? Beim diesjährigen K78 in Davos konnte Sommer allerdings Miksch knapp hinter sich lassen.

2. M50 Lokalmatador Peter Klorer
Tanja Hooß in Führung
Rene Strosny fand nicht ins Rennen - nur Platz 45
Ilona Schlegel

Ganz so spannend verlief die Frauenkonkurrenz nicht. Nachdem die Meisterin des Vorjahres, Ricarda Botzon bereits in der dritten Runde aussteigen musste, lief fortan Tanja Hooß ein einsames Rennen an der Spitze. Die dreifache Deutsche Meisterin (1998-2000) über die 100 km Distanz konnte, nachdem sie im letzten Jahr die Endinger Strecke mit dem Babyjogger in Augenschein nahm, im Frühjahr schon auf gute Leistungen bei kürzeren Strecken verweisen und so frohen Mutes ihr Comeback auf ihrer Spezialstrecke angehen. Hinter Tanja Hooß hielt sich Jutta Kolenc, die Drittplatzierte von Biel auf Platz 2 vor Dr. Anke Drescher.

Orga-Chef Klaus Kläger
1. M50 Dr. Bernd Juckel
Sigurd Dutz
Marion Potschka-Hermann

Die 50 km-Marke passierte die Männerspitze nach ca. 3:25. Wer die Pacing-Künste eines Michael Sommer kennt, konnte jetzt seinen Hut auf eine Endzeit unter 7 Stunden verwetten. Der anfängliche Regen hatte sich längst gelegt, die meist geschlossene Wolkendecke verhinderte allzu hohe Temperaturen. Nach sieben Runden musste Jutta Kolenc aufgeben und humpelte enttäuscht mit Blasen am rechten Fuß von der Strecke. Ebenfalls nach 70 Kilometern fiel die Entscheidung bei den Männern. In der achten Runde musste Miksch Sommer ziehen lassen, der fortan alleine seinem zweiten Deutschen Meistertitel nach 1995 entgegen lief.

Mit einem Lächeln ins Ziel - 3. Platz für Carmen Hildebrand
Platz 3 für Jörg Hooß
Vize unter sich -
Dr. Drescher und Dr. Miksch
Locker ins Ziel -
Deutscher Meister 2003 Michael Sommer

In bemerkenswerten 6:54:34 lief Michael Sommer (EK Schwaikheim) mit der Lockerheit eines Siegers als neuer Deutscher Meister durch das Ziel, gerade mal 12 Minuten über seiner persönlichen Bestzeit aus dem Jahre 1995. Thomas Miksch (TV Jahn Kempten) verpasste knapp die 7h-Grenze, mit Magenproblemen kämpfend erreicht er in 7:00:05 das Ziel als Vizemeister. Da sollten beim nächsten Mal auf einer flacheren Strecke die sub-7 kein Problem mehr sein. Den dritten Platz belegte Jörg Hooß (LTF Marpingen) in 7:08:58. Rüdiger Wegner (EK Schwaikheim), der den Peter-Lauf bei seinem 100 km-Debut im Jahre 2000 gewinnen konnte, blieb nur der undankbare 4. Platz.

Die Ehefrau des Drittplatzierten, Tanja Hooß (LTF Marpingen) lief zu dieser Zeit bereits ihrem sicheren Sieg entgegen, in sehr guten 7:47:53 wurde sie Deutsche Meisterin 2003 vor Anke Drescher (SCC Hanau/Rodenbach) in 8:29:46. Ausgelassen freute sich im Ziel ihre Vereinskameradin Carmen Hildebrand (SCC Hanau/Rodenbach) über den dritten Platz in der Zeit von 8:42:05.

Für die Siegerehrung war allerdings etwas Geduld erforderlich, leidige EDV-Problem verhinderten den pünktlichen Ablauf, ein Schönheitsfehler in der ansonsten top organisierten Veranstaltung. Die Mannschaftswertung der Männer ging an den LTF Marpingen (Hooß/Teller/Schultz) vor der EK Schwaikheim (Härle/Sommer/Wegner) und dem TV Jahn Kempten (Miksch/Johannsen/Grotz).

Portraits der Meister, Tanja Hooß und Michael Sommer, im LAUFREPORT HIER

Bericht und Fotos Michael Krüger

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